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Gesundes Kiefergelenk

Ein Betreuungskonzept zur Prophylaxe und Therapie von Funktionsstörungen

Das Kiefergelenk ist das Gelenk mit den meisten Freiheitsgraden im menschlichen Körper. Es führt die Bewegung des Unterkiefers bei allen Funktionen.

Treten in diesem empfindlichen System Störungen auf, so nennt man das Cranio-mandibuläre Dysfunktion (=CMD).

Ein weiterer gebräuchlicher Begriff heißt Myoarthropathie (=MAP), wobei dieser im engeren Sinne ausschließlich schmerzhafte Veränderungen der Muskeln (Myo) und Gelenke (Arthro) beschreibt.

Die Auslöser dieser Veränderungen können vielgestaltig sein und müssen identifiziert werden, um eine korrekte Diagnose und Prognose stellen zu können.

Ziel unserer Maßnahmen sind Schmerzfeiheit und ungestörte Kieferfunktion.

Anatomie

Das Kiefergelenk ist aufgebaut aus einer Gelenkgrube, in welcher der Kiefergelenkkopf steht. Zwischen Grube und Gelenkkopf liegt die Bandscheibe des Kiefergelenks (Diskus), eine flache Knorpelscheibe.

Am Unterkiefer setzen verschiedene Muskeln an, die uns das Öffnen, Schließen und Seitwärtsbewegen ermöglichen.
Die Position des Unterkiefers wird indirekt aber auch von der Haltemuskulatur des Kopfes und des Rumpfes stark beeinflusst.

 


Erkrankungen

Veränderungen können an den Gelenkflächen selbst als Arthrose oder Arthritis auftreten. Der Bandapparat kann gestaucht oder überdehnt sein. Die Muskulatur kann verspannt, verkürzt oder in asymmetrischer Funktion sein. Sie können als Trigger auch Zahnschmerzen auslösen.

Allgemein bekannt ist das Phänomen des Knirschens mit den Zähnen. Hierbei wird (meist nachts) mit großer Kraft und in Bewegung ein intensiver Zahnkontakt zwischen Ober- und Unterkiefer aufgebaut. Laut ist dies nicht immer, es kommt darauf an wie weit der Reibeweg ist (je weiter desto lauter) und wie intensiv der Kontakt (je kräftiger desto lauter). Ausgelöst wird das Knirschen durch störende Zahnkontakte und/oder als Stressabbau in der Nacht.

Reibegeräusche sind in der Regel dem Verschleiß geschuldet. Sie stellen sich im Laufe des Lebens bei manchen Patienten ein und bedürfen in aller Regel nach kurzer Untersuchung lediglich der Aufklärung.

Knackgeräusche werden nach ihrer Art und Schwere unterschieden. Im Rahmen der manualmedizinischen Untersuchung findet man heraus, ob das Knacken lediglich ein Phänomen ist oder als Erkrankung behandelt werden sollte.

Verspannungen der Muskulatur der Wange, der Schläfe, das Nackens und des Halses sind therapiepflichtig. Nach Abklärung des Auslösers erfolgt eine strukturierte Therapie, um die Verspannungen soweit möglich zu lösen und das Befinden der Patienten zu verbessern. Besondere Bedeutung kommt der Identifizierung von sogenannten übertragenen Schmerzen vor. Hierbei liegt der vom Patienten beschriebene Schmerzort entfernt von der schmerzauslösenden Struktur. Dieser Zusammenhang kann durch Provokationstests nachgewiesen und anschließend die Ursache behandelt werden.

Chronische Schmerzen als eigenständiges Krankheitsbild können eine CMD Erkrankung (wie auch viele andere) vortäuschen. Schmerz ist in diesem Fall nicht nur Symptom sondern auch Krankheit. Eine funktionstherapeutische Begleitung der Patienten ist wichtig zur Dämpfung des Muskeltonus und zur Ausschaltung schädlicher Einflüsse, therapeutisch steht für diese Patienten der Schmerztherapeut im Vordergrund.

Entzündliche schmerzhafte Veränderungen im Gelenk (Arthritis) werden medikamentös vorbehandelt und anschließend ursächlich abgeklärt, um eine Wiederholung zu vermeiden.

Die Folgen und Symptome von Funktionsstörungen zeigt das nachfolgende Schema:

 

Untersuchung

Die wichtigsten Instrumente zur Erkennung der Art einer Erkrankung sind die Ohren, Augen und Finger des Arztes. Ein ausführliches Patientengespräch weist in aller Regel den richtigen Weg zur Diagnosefindung.

Angezeigt ist eine solche Untersuchung vor allem, wenn folgende Beschwerden bestehen:
1) Häufige Kopfschmerzen
2) Verspannungen um Kopf-, Hals und Nackenbereich
3) Schmerzen im Bereich des Kiefergelenks und/oder vor dem Ohr
4) Geräusche im Kiefergelenk
5) Ohrgeräusche, Tinnitus, Schwindel
6) Schwierigkeiten beim Essen, verkleinerte Mundöffnung
7) Zähne passen nicht richtig gut zusammen


Nur bei begründetem Verdacht erfolgt die detaillierte Abklärung des Umfangs der Erkrankung mit instrumenteller Analyse.

Dr. Bruno Imhoff,  
Spezialist für Funktionsdiagnostik und –therapie (DGFDT)

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